Engagiertes Theater: Der edelste Teil
Die Stimmung auf der Bühne ist düster, bedrückend. Die Schauspieler tragen Schwarz, vor dunklem Hintergrund. „Der Pass“, heißt es da nach Brecht, „ist der edelste Teil eines Menschen.“ Erschreckend, wie bei der Grenzkontrolle alles auf die Frage hinausläuft: „Hast du ein Visum?“
Die Theatergruppe des Wirtschaftsgymnasiums am Gropiusring und der Gesamtschule Steilshoop kann eigene Erfahrungen in die Textcollage „Der edelste Teil“ einfließen lassen. Fast alle 18 bis 22 Jahre alten Schüler stammen aus dem Ausland, aus Polen, Tschetschenien, die Türkei, dem Iran. Hossei aus Afghanistan lebt noch selbst im Asylbewerberheim, sie spielt ihre eigene Geschichte. Unter Leitung von Olaf Bublay hat die Gruppe reale Protokolle aus Asylverfahren und eigene Biografien vermengt.
Ein Stück zwischen Breakdance und Tanztheater, brutaler Konfrontation und Rollentausch: Aus dem herzlosen Aufseher wird plötzlich der verletzliche Immigrant, der am Boden liegt. „Man muss nicht alles bis zur letzten Silbe verstehen“, sagt Bublay, „deswegen zeigen wir Bilder.“ Manche erinnern den Zuschauer an eigene Erlebnisse. Und sei es die Ohnmacht gegenüber der Behördenwillkür. „Das Lachen bleibt vielen im Halse stecken“.
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Weißst du, was es bedeutet, auf der Flucht zu sein? Jederzeit geschnappt zu werden und dorthin zurückgeschickt zu werden, wo Krieg ist. Ein Spiel mit der eigenen Geschichte. Eine Herzensangelegenheit, obwohl die meisten im Februar ihre Abiturprüfungen haben. Hossei sagt: „Es wird nie zur Routine. Die Gefühle kommen bei jedem Auftritt hoch.“ Die Iranerin Tala Mohajen sagt: „Das ist kein Leckerbissen. Du kommst hierher, zum Teil aus guten Verhältnissen, lebst zwei Jahre mit Geschwistern und deiner Mutter auf 10 Quadratmetern.Du zahlst Steuern, darfst aber nicht wählen!“ Hamburgs Ausländerbeauftragte Ursula Neumann sagt über das Theaterstück: „Das war die Wirklichkeit, und die ist schrecklich. Viele Befragungen laufen tatsächlich nach diesem Muster ab.“ Bublays nächstes ambitioniertes Projekt ist für den 22. Februar 2001 geplant: In der Markthalle sollen Hamburger Schüler unter dem Motto „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ Zivilcourage gegen Rassismus, Ausgrenzung und Gewalt demonstrieren. |
Hamburger Abendblatt 2.Dez. 2000
Verantwortlich: Hans-Juergen-Fink, Irene Jung
Bertini-Preis für 'Der edelste Teil'
Den alljährlich zum Holocaust-Gedenktag verliehenen Bertini-Preis erhalten Jugendliche, die sich besonders engagiert für Freiheit und Gerechtigkeit einsetzen. Zu den
Preisträgern des Jahres 2000 gehört der Theaterkurs Darstellendes Spiel unter Leitung von Olaf Bublay (H20) für das Stück:
"Der edelste Teil".
Die Ansprachen anlässlich der Preisverleihung im Hamburger Rathaus hielten: Bürgermeister Runde, Bundestagspräsident Thierse, Schriftsteller Ralf Giordano, Schulsenatorin Pape (neben Frau Pape: Wolf
Biermann)
